2014/08/10

Gedanken: Das Geschäft mit der Lust

Kommentare:
 
geschrieben von Caro

Mit dieser Kritik thematisiere ich standardisierte Pornos, welche stets zur Mitternachtszeit auf diversen Fernsehsendern laufen und als „zumutbar“ eingestuft werden. Das hier soll keine Abwertung des Themas rund um Pornos sein, sondern vielmehr eine kritische Betrachtung der auferlegten Lust-Ideale. Kurzum eine Kritik an den Aussagen „Was die geilen Leute sehen wollen“. Wer Lust an Pornos hat und sich seinen Spaß nicht verderben lassen will, sollte nicht weiter lesen.



Im Grunde vergleiche ich Pornos mit perfektionistischen Idealen, die man in Modemagazinen, auf Werbeplakaten und überall sonst sieht. Bäm, da werde ich jetzt eine Kommentarwelle von denjenigen lostreten, die zu faul sind, weiter zu lesen.
Pornos. Ein fester Bestandteil der Gesellschaft, aber setzt man dies wirklich im Alltag um? Den dauergeilen Fickfrosch mit seinem Riesenpenis zu geben, welcher jeder Frau staccatoähnliche Höhenflüge verpasst?
Habe nur ich das Gefühl oder rückt die Frau permanent in den Vordergrund als schwaches Persönchen? (Ich spreche hier nicht allgemein von jeder Art von Pornos, sondern denen, die als „Standard“ gelten würden.) Da kann die Nahaufnahme nicht nah genug sein und man könnte glatt erkennen, was die Dame außer dem Glied ihres Partner vorher verspeist haben könnte.

Als Frau empfinde ich dieses Genre sicher anders als Männer, aber diese Wahrnehmung ist sowieso von Person zu Person unterschiedlich. Mir geht es um die Ideale, dass die Frau ständig im Zentrum steht als rezessives Objekt, welches nach Lust und Laune vom dominanten Mann begattet wird und nichts zu melden hat. Als ob Frauen immer parieren wollen und sich unterordnen. Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden ohne als Feministin dargestellt werden zu können. Ich kritisiere das TV-Schema, nach dem gesellschaftsfähige Pornos für den Zuschauer ausgewählt werden und das bezieht sich auf die permanent unterwürfige Frau als auch auf den dauererregten Mann, vor dem sich nicht mal eine Person bücken braucht ohne angesprungen zu werden. Diese zwei Stereotypen sind das, was ich als eingeschränktes Auswahlkriterium bezeichne und extreeem langweilig finde.

Eine weitere Sache, die ich bedenklich finde, ist die Dauererrektion und „Größe“ als Maßstab für das Wohlbefinden der Männer dieser Gesellschaft. Ähnlich wie perfekte Körperideale der Modebranche bringt das unsere komplette Selbstwahrnehmung durcheinander. Der ständige Vergleich mit dem Körper der anderen kann auf Dauer auch schädlich für die eigene Psyche sein. Eine Tatsache, die ich weniger erotisch als vielmehr lustig finde: die stets überprallen Brüste der Darstellerinnen. Als könnten sie dem Mann das Handwerkzeug ersparen und mit ihren Mörderhupen ganze Nägel in die Wand schlagen. Also ich will sowas nicht haben, wenn ich ehrlich bin.
Dass hier Männer genauso wie Frauen betroffen sein können, möchte ich besonders betonen. Möglichst lange und laut zu „können“ scheint das Maß der Dinge zu sein. Quantität über Qualität?

Klar, in der heutigen Internet-Zeit ist es so einfach wie möglich, an Stuff aus anderen Porno-Genres zu gelangen. Aber wieso wird von den Medien nur diese eine Schiene gefahren, obwohl es so viele andere gesellschaftsfähige Genres (keine Kinderpornografie, Sodomie o.Ä.!!!) gibt, welche ausgestrahlt werden können. Wahrscheinlich, weil dies die Einschaltquoten sinken lassen würde, denn das Publikum dafür ist kleiner. Aber unsere Gesellschaft ist ja so aufgeschlossen gegenüber „Neuem“ und „Außergewöhnlichen“. Wieso beginnt man da nicht bei einem Grundbedürfnis des Menschen, welches niemanden weh tut oder schadet?
Ich verweise damit auf die Tatsache, dass der Ottonormalverbraucher sich selten öffentlich und stolz präsentiert, sondern dies meist heimlich praktiziert. Gegensätzlich dazu gibt es natürlich auch Menschen, welche mit ihrem Lebensstil hausieren gehen.

Ich spreche vom Großteil der jeweiligen Gruppen, nicht von allen Einzelpersonen, falls sich hier jemand angegriffen fühlen sollte. Wieso wird das oberflächliche Aussehen und künstliche Posieren vor Kamera (in Modemagazinen) und auch anderen Personen so in den Medien breit getreten, obwohl es – bekanntlicherweise – einen sehr negativen Beigeschmack bei der Entwicklung des heute jungen Publikums haben kann? Wieso wird die Sexualität, derer sich diese heutige junge Generation oft mehr „ausgesetzt“ und weniger toleriert fühlt, nicht auch als Sprachrohr zur Aufklärung genutzt?
Es wird einem vorgelebt, dass diese Standard-Pornos das einzig Richtige sein, da Programme, die im TV laufen, meist ohne Gegenwehr konsumiert und nicht in Frage gestellt werden. Findet man im WWW aber Fetisch-Videos, SM-Spiele oder auch Homosexuellen-Pornos, die der Zuschauer sogar anziehend findet, bekommt das Ganze sofort einen negative Wirkung. Aber woher kommt das? Wenn etwas auf verborgenen Seiten im Internet herumschwirrt, bekommt schnell den imaginären Stempel „Verboten“. (Hier möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass damit keine gewaltverherrlichenden Inhalte gemeint sind!)
Also werden diese Videos meist im Stillen geschaut ohne jemals darüber zu reden, obwohl der ein oder andere Zuschauer sogar stolz darauf ist, „sein“ Genre gefunden zu haben. Es gibt zwar viele Möglichkeiten, um „Gleichgesinnte“ zu finden, aber ich kritisiere die Vorauswahl, welche andere Menschen für uns treffen. Wieso darf nicht jeder selbst entscheiden, was er mag und auch vor anderen stolz darauf sein?
Wovon ich mich auch distanziere, ist die Abgrenzung, ab wann man „bereit“ für Pornos ist. Ich werde hier keine Aussage dazu treffen, sondern reagiere lediglich auf das bereits vorgekommene Verhalten der Personen, die aktiv nach Pornos und Befriedigung gesucht haben. Ich will hier niemanden dazu verleiten, etwas zu schauen, was er nicht mag. Aber die Tatsache, dass es viele Menschen gibt, die gerne schauen wollen und sich wegen des gesellschaftlichen Drucks („Du darfst nur anerkannte Gernes öffentlich als deine Vorlieben preisgeben.“) nicht trauen, hat mich dazu gebracht, darüber zu schreiben.

Schwanzgesteuert ist auch so ein Wort, das mir während des Schreibens mehrmals in den Sinn gekommen ist. Aber was hat dieses Wort zu bedeuten? Es wird ja gerne für untreue männliche Partner verwendet oder Männer, die „nur an das Eine“ denken. Aber ist das wirklich so männertypisch? Ich würde sagen: Nein. Frauen gehen auf dieselbe Art fremd wie Männer und denken an Sex. Sind sie deshalb vaginazentriert?
Es ist eine persönliche Entscheidung, wenn es um Treue in der Partnerschaft geht und das kann man nicht am Geschlecht des Menschen fest machen. Deshalb finde ich diese Bezeichnung („schwanzgesteuert“) in jeder Hinsicht als Beschreibung unangebracht, aber das nur nebenbei.
Abgesehen von den Leute, die Pornos aus Vergnügen gucken, gibt es auch diejenigen, die als krank beschrieben werden. Krank, weil sie dem Phänomen Porno nicht mehr entkommen und sich nur noch mithilfe der Videos in einem unnatürlichen Ausmaß befriedigen können.
Für diese Leute dreht sich alles nur noch um Befriedigung. Da muss es immer geiler, härter und krasser zugehen, damit Mann (oder auch Frau) einer abgehen kann.

Verherrlichung von sexuellen Eroberungen muss nicht zwangsweise mit Pornos in Zusammenhang gebracht werden, ist aber eine Tatsache, die mir in diesem Kontext ebenfalls einfällt. Wieso ist es in bestimmten Kreisen so angesagt, so ungeniert über die Wahl seiner Sexpartner zu reden, obwohl man sich über die Vorlieben für Pornos kaum austauscht?
Da wird sich gegenseitig übertrumpft, wer die meisten Bienchen mit seinem Nektar gefüttert hat und wie lange das ganze Prozedere durchgeführt wurde. Oder (wenn es um Frauen geht) wieviele männliche Geschöpfe man mit seiner Venusfliegenfalle geschnappt hat. Wieder geht es nur um die andere Person, die man flach gelegt hat und wie gut man es ihr doch besorgt haben muss. Das ist ein sehr intimes Thema, aber über seine eigenen sexuellen Vorlieben traut man sich nicht zu reden? Ein großes Fragezeichen in meinem Kopf, wenn es um solche Freundeskreise geht.

Klar, im Eifer des Gefechts kann es schon vorkommen, dass einem grundlegend egal wäre, was genau man da sieht. Das genau kann und wird der Ansatzpunkt für Gegensprecher dieses Textes werden. Aber ich habe darauf hingewiesen, dass diese Gruppe sich diesen Text besser nicht durchlesen sollte...

P.S.: Wie bei allen kritischen Betrachtungen meinerseits möchte ich darauf hinweisen, dass mir ernst gemeinte Problematiken gerne per E-Mail beschrieben werden können.

Kommentare:

  1. Vor allem der Anfang ist stark - und du sprichst auf jeden Fall einige wichtige Problematiken an. Ich finde diese Standard-Pornos so unnötig, wirklich, die sind so todlangweilig, ganz ehrlich. Vor allem auch Softpornos, bei denen jeder immer Sex will und auch jeder immer bereit ist. Egal, ob man einander kennt oder nicht - sehr realistisch.

    Danke für den Text, ich musste ein paar Mal echt lachen :'D

    Schönen Sonntag wünsche ich euch beiden noch,
    Casey

    [sexbooksandheavymetal.blogspot.com]

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    1. Hallo Casey,

      danke für dein Lob! Es ist schön, dass mein Humor bzw. meine Aussagen auch gut aufgenommen werden können, denn die meisten "Problemchen" oder "Wichtigkeiten" im Alltag kann ich nur mit einem Kopfschütteln abtun. Und solange es weiterhin solche Themen gibt, wirds von mir auch immer einen kopfschüttelnden Text geben ;)
      Liebe Grüße, Caro ♥

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  2. Hallo ihr zwei.
    Ich hoffe bei euch ist alles ok?
    Leider habe ich noch keine email bekommen, zwecks Intervier. Dies find ich sehr schade.
    Gerne hätte ich euch in meinem Blog vorgestellt, da ich euren Blog sehr gerne hab.

    Gruß

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    1. Huhu!
      Hat ja jetzt alles geklappt mit dem Interview und übrigens ist dein Mittester-Paket auch angekommen, vielen Dank!
      Ich sehe zu, dass ich bereits morgen erste Bilder mache und einen Post vorbereite! Viiiiielen Dank noch einmal, dass ich mitmachen darf! :*

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